Städtetrip Lyon
Zwischen Rhone und Saone versteckt sich Frankreichs größtes Renaissanceviertel, durchzogen von Traboules, den Gängen der Seidenweber. Oben thront die Basilika Fourvière, darunter liegen römische Theater aus Lugdunum, gegenüber die Markthalle der Küchenhauptstadt. Zwei fertige Tagesrouten starten an der Place Bellecour.
🗺️ Lyon interaktiv öffnen – Karte & NavigationUnsere Rundgänge durch Lyon
Fertige Routen ab der Station führen dich durch Lyon – vom ersten Schritt an zu den richtigen Ecken, ganz ohne eigene Planung.
Presqu'île, Vieux Lyon & Fourvière
Der erste Tag startet auf der Place Bellecour, einem der größten Plätze Europas, und führt über die Saone ins Renaissanceviertel Vieux Lyon mit seinen Traboules. Mit der Standseilbahn geht es hinauf zur Basilika Fourvière mit dem Blick über die ganze Stadt und weiter zu den römischen Theatern von Lugdunum. Zurück unten endet der Tag an der Place des Terreaux und im Musée des Beaux-Arts.
- Place Bellecour – Der Rundgang beginnt auf der Place Bellecour, einem der größten offenen Plätze Europas: eine gewaltige, komplett freie Fläche mit rotem Kies, ohne einen einzigen Baum in der Mitte. In der Mitte steht das Reiterstandbild Ludwigs XIV., am Rand eine kleine Statue des Kleinen Prinzen mit Antoine de Saint-Exupéry, der in Lyon geboren wurde. Von hier siehst du schon das Ziel des Vormittags: die weiße Basilika Fourvière oben auf dem Hügel. Im Pavillon sitzt die Touristinfo, im Winter dreht sich hier ein Riesenrad.
- Vieux Lyon (Saint-Jean) – Vieux Lyon ist das größte Renaissanceviertel Frankreichs und seit 1998 Teil des UNESCO-Welterbes: enge Gassen, ockerfarbene Fassaden und Innenhöfe aus dem 15. und 16. Jahrhundert, als italienische Bankiers hier ihre Häuser bauten. Das Besondere sind die Traboules, überdachte Durchgänge, die quer durch Häuser und Höfe von einer Straße zur nächsten führen - die Seidenhändler brachten damit ihre Ballen trocken zum Fluss. Viele sind Privathäuser mit Türcode, die frei zugänglichen sind ausgeschildert, also leise sein und keine Fotos in die Fenster. In der Kathedrale Saint-Jean lohnt die astronomische Uhr aus dem 14. Jahrhundert einen Blick.
- Basilique Notre-Dame de Fourvière – Die Basilika Notre-Dame de Fourvière thront weiß über der Stadt und ist Lyons Wahrzeichen. Gebaut wurde sie zwischen 1872 und 1884, nachdem die Stadt gelobt hatte, eine Kirche zu errichten, falls sie vom Deutsch-Französischen Krieg verschont bleibt. Wegen der vier Ecktürme nennen die Lyoner sie liebevoll den umgedrehten Elefanten. Innen ist alles mit goldschimmernden Mosaiken, Marmor und Buntglas überzogen, während die schlichte Krypta darunter das genaue Gegenteil ist. Von der Esplanade schaust du über die Dächer bis zum Zusammenfluss von Rhone und Saone, bei klarem Wetter bis zum Mont Blanc.
- Römische Theater von Fourvière – Ein paar Hundert Meter unterhalb der Basilika liegen die beiden antiken Theater von Fourvière, darunter eines der ältesten römischen Theater Galliens. Das große Theater entstand um 15 vor Christus unter Kaiser Augustus, als Lyon noch Lugdunum hieß und Hauptstadt der drei gallischen Provinzen war; daneben steht das kleinere Odeon mit seinem farbigen Bodenmosaik. Die Steinreihen sind frei zugänglich, und du kannst dich einfach in die Ränge setzen und über die Stadt schauen. Im Sommer wird das Theater zur Bühne des Festivals Nuits de Fourvière, im modernen Museum nebenan liegen die Funde aus Lugdunum.
- Place des Terreaux – Die Place des Terreaux ist der große Platz zwischen dem barocken Rathaus und dem Kunstmuseum und damit das bürgerliche Herz der Presqu'île. Sein Blickfang ist der Bartholdi-Brunnen von 1889 mit vier bäumenden Pferden - gebaut hat ihn Frédéric Auguste Bartholdi, derselbe Bildhauer, der die Freiheitsstatue schuf. Über den restlichen Platz verteilen sich 69 kleine Wasserfontänen im Boden, an denen im Sommer die Kinder spielen. Ringsum liegen Cafés mit Terrassen, und abends ist der Platz stimmungsvoll ausgeleuchtet.
- Musée des Beaux-Arts – Zum Abschluss des ersten Tages das Musée des Beaux-Arts, nach dem Louvre eine der größten Kunstsammlungen Frankreichs. Untergebracht ist es in der ehemaligen Benediktinerinnen-Abtei Saint-Pierre aus dem 17. Jahrhundert, und schon der Weg durch die Räume von der Antike über Rubens und Rembrandt bis zu Monet, Van Gogh und Picasso ist ein halber Marathon. Wenn dir das zu viel wird: Der Kreuzgang mit seinem stillen Garten und den Skulpturen ist frei zugänglich und die schönste Pause im Zentrum. Dienstags ist zu, freitags geht es erst um 10:30 Uhr los.
Markthalle, Croix-Rousse & Confluence
Der zweite Tag beginnt kulinarisch in der Markthalle Les Halles Paul Bocuse mit Käse, Charcuterie und Austern an der Theke. Danach geht es hinauf auf die Croix-Rousse, den Hügel der Seidenweber, mit eigenen Traboules und dem riesigen Wandbild Mur des Canuts. Zum Abschluss die moderne Spitze der Stadt: das Musée des Confluences zwischen Rhone und Saone, wer mag hängt noch den Parc de la Tête d'Or an.
- Les Halles Paul Bocuse – Der zweite Tag beginnt da, wo Lyon am ehrlichsten ist: in der Markthalle, die seit 2006 den Namen des Kochs Paul Bocuse trägt. Auf zwei Etagen stehen rund sechzig Stände mit gereiftem Saint-Marcellin, Lyoner Wurst, Pasteten, Austern und Pralinen. Der Trick ist, nicht einzukaufen, sondern sich direkt an eine Theke zu stellen und ein Glas Weißwein zu bestellen - vormittags ist das ein völlig normales Frühstück. Sonntags ist nur bis 13 Uhr geöffnet, dann aber am vollsten und lebendigsten.
- Croix-Rousse – Die Lyoner sagen, ihre Stadt habe zwei Hügel: Fourvière ist der, der betet, die Croix-Rousse der, der arbeitet. Hier wohnten die canuts, die Seidenweber, deren riesige Jacquard-Webstühle die auffällig hohen Fenster und Decken der Häuser erklären. Auch hier gibt es Traboules, sie sind rauer und weniger touristisch als die in Vieux Lyon; die berühmteste ist die Cour des Voraces mit ihrer wuchtigen Treppenfassade. Am Boulevard des Canuts steht der Mur des Canuts, ein Trompe-l'oeil-Wandbild von 1987, das eine ganze Straßenszene vortäuscht und mehrfach mit den gealterten Bewohnern aktualisiert wurde. Ringsum Bistros, Bio-Läden und ein Alltagsmarkt statt Souvenirstände.
- Musée des Confluences – Ganz im Süden, an der Spitze zwischen Rhone und Saone, steht seit 2014 das Musée des Confluences: ein dekonstruktivistischer Bau des Wiener Büros Coop Himmelb(l)au aus Beton, Glas und Stahl, den seine Architekten Kristall und Wolke nennen. Innen ist die Sammlung genauso wild gemischt - Dinosaurierskelette, Meteoriten, Mumien und Objekte aus Ozeanien stehen nebeneinander, weil die Ausstellung nach großen Fragen sortiert ist statt nach Fächern. Selbst wenn du nicht hineingehst, lohnt die Fahrt: Die Dachterrasse mit Café ist frei zugänglich und schaut genau auf den Zusammenfluss der beiden Flüsse. Montags ist geschlossen.
- Parc de la Tête d'Or – Wenn noch Zeit und Kraft bleibt, lohnt sich der Parc de la Tête d'Or im Norden, einer der größten Stadtparks Frankreichs und seit 1857 Lyons Wohnzimmer im Grünen. Auf über hundert Hektar gibt es einen großen See mit Ruderbooten, einen Rosengarten mit Tausenden Rosenstöcken und die historischen Glasgewächshäuser des botanischen Gartens. Der kleine Zoo mitten im Park kostet keinen Eintritt, genauso wenig wie alles andere hier. Ein guter, entspannter Ausklang, bevor es zurück ins Zentrum geht.
Vor Ort: Anreise & Fortbewegung
Lyons Zentrum, die Presqu'île zwischen den beiden Flüssen, läuft man locker zu Fuß ab; für alles andere gibt es das TCL-Netz mit vier Metrolinien, Straßenbahnen, Bussen und zwei Standseilbahnen (den ficelles) hinauf nach Fourvière. Wichtig: Die Standseilbahn ist im normalen Ticket enthalten, du brauchst kein Extraticket. Bezahlt wird in Euro. Und plan die Museen mit Blick auf die Ruhetage: Das Musée des Beaux-Arts hat dienstags zu, das Musée des Confluences montags. Für einen echten Bouchon lyonnais unbedingt vorher reservieren, die Läden sind klein und oft nur an wenigen Tagen offen.
Ausgehen & Nachtleben
Rooftop-Bars
- Le Sucre – Auf dem Dach der alten Zuckerfabrik La Sucrière im Viertel Confluence liegt Le Sucre: eine nackte Betonterrasse mit Blick über die Saone, dazu Konzerte, DJ-Sets und Techno bis in den Morgen. Ehrlich gesagt ist es eher Club als Bar, und offen ist nur an Programmtagen. Schau vorher ins Programm, sonst stehst du vor verschlossener Tür - Tickets gibt es meist nur an der Abendkasse.
Ausgehviertel
- Rue Sainte-Catherine (Presqu'île) – Die Rue Sainte-Catherine zwischen Place des Terreaux und Hôtel de Ville ist Lyons Partygasse: eine schmale Straße, in der sich Bar an Bar reiht, voller Studenten und ab dem frühen Abend rappelvoll. Laut, jung und billig - hier startet man den Abend, statt ihn zu beenden. Wer es ruhiger mag, geht ein paar Minuten weiter an die Saone-Ufer in Vieux Lyon, wo die Terrassen entspannter sind.
Essen & Restaurants
- Daniel et Denise (Croix-Rousse) – Ein klassischer Bouchon lyonnais, wie er im Buch steht: karierte Tischdecken, Quenelles de brochet in Krebssauce, Pâté en croûte und ohne Scheu auch Innereien. Es gibt mehrere Häuser in der Stadt, dieses liegt oben auf der Croix-Rousse und ist das ruhigste. Zum Abschluss die Tarte aux pralines, knallrosa und sehr süß. Ehrlicher Hinweis: Die Öffnungstage wechseln und sind oft nur wenige pro Woche.
Bühne & Konzerte
- Opéra National de Lyon – Von außen ein klassizistischer Bau von 1831 mit Säulen und Musenstatuen, darüber eine riesige schwarze Glastonne: Jean Nouvel hat die Oper Anfang der 1990er entkernt und innen komplett neu gebaut. Der Saal ist dunkelrot und schwarz, steil und überraschend intim, dazu kommen Ballett und moderne Inszenierungen. Zwei Häuser in einem, und genau das macht den Reiz aus - das Gebäude allein ist abends von der Place de la Comédie einen Blick wert.
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