Städtetrip Stuttgart
Eine Großstadt im Talkessel, an dessen Hängen mitten im Stadtgebiet Wein wächst: Stuttgart verbindet Schlossplatz und Jugendstil-Markthalle mit zwei Weltmarken-Museen und dem ersten Fernsehturm der Welt. Mehr als 400 Treppenwege, die Stäffele, ziehen sich die Hänge hinauf. Zwei fertige Routen teilen die Stadt auf: die Innenstadt zu Fuß, die Ikonen von Mercedes bis Fernsehturm per Bahn.
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Fertige Routen ab der Station führen dich durch Stuttgart – vom ersten Schritt an zu den richtigen Ecken, ganz ohne eigene Planung.
Schlossplatz, Markthalle & Karlshöhe
Vom Hauptbahnhof zum Schlossplatz, wo statt des Königs die Göttin Concordia auf der Säule steht, und in die Staatsgalerie mit ihrem knallbunten Postmoderne-Bau. Weiter zur Stiftskirche mit den zwei ungleichen Türmen und in die Jugendstil-Markthalle von 1914, dann durchs wandelnde Leonhardsviertel zum Hans-im-Glück-Brunnen – und zum Schluss hinauf auf die Karlshöhe, wo der Biergarten den ganzen Talkessel serviert.
- Schlossplatz – Stuttgarts Wohnzimmer: Rasenflächen, Brunnen und das barocke Neue Schloss als Kulisse, flankiert vom Königsbau mit seiner Kolonnade. In der Mitte steht die Jubiläumssäule von 1846, errichtet zum 25. Thronjubiläum von König Wilhelm I. – doch wer nach oben schaut, sieht nicht den König: Wilhelm lehnte eine eigene Statue ab, stattdessen balanciert die römische Eintrachtsgöttin Concordia auf der Säule. Am Sockel erzählen vier Reliefs aus seiner Regierungszeit. Setz dich kurz auf die Schlossplatz-Stufen und schau dem Platz beim Leben zu, bevor die Route weiterzieht. Wenige Gehminuten dahinter lohnt ein Abstecher, den kaum ein Reiseführer auslässt: Die Stadtbibliothek am Mailänder Platz, ein weißer Kubus des Architekten Eun Young Yi, öffnet innen einen fünfgeschossigen, ganz in Weiß gehaltenen „Herzraum“ – das wohl meistfotografierte Interieur der Stadt, frei zugänglich.
- Staatsgalerie – Von außen erkennst du sofort, warum dieses Haus Architekturgeschichte schrieb: James Stirlings Neubau von 1984 mischt Naturstein mit einer geschwungenen grünen Glasfront und Handläufen in Pink und Blau – eine Ikone der Postmoderne, um die es bei der Eröffnung heftigen Streit gab. Mittelpunkt ist die offene Rotunde, ein Skulpturenhof ohne Dach, durch den ein öffentlicher Weg führt. Drinnen reicht die Sammlung von Alten Meistern bis Picasso und Beuys; der Schwabenstreich dabei: Eines der bedeutendsten Häuser des Landes liegt an einer achtspurigen Straße. Nimm dir mindestens anderthalb Stunden.
- Stiftskirche – Stuttgarts Wahrzeichen-Kirche erkennt man am Doppelturm, der keiner ist: Als um 1240 der Neubau begann, waren zwei gleiche Türme geplant – fertig wurde nur der südliche, der nördliche blieb niedriger, und so ungleich stehen sie bis heute nebeneinander. Die Stiftskirche ist die älteste mittelalterliche Kirchengründung der Stadt, ihr Vorgängerbau reicht ins 10. Jahrhundert zurück, und unter dem Chor liegt die Grablege des Hauses Württemberg. Heute ist sie die Hauptkirche der evangelischen Landeskirche – ein kurzer, lohnender Stopp zwischen Schlossplatz und Markthalle.
- Markthalle – Von außen ein historisierender Palast, innen eine Überraschung: Als die Markthalle 1914 öffnete, steckte hinter der Fassade modernster Stahlbeton mit einem lichten Glasdach – Architekt Martin Elsaesser hatte sich im Wettbewerb gegen Paul Bonatz durchgesetzt, den Erbauer des Hauptbahnhofs. Heute gilt sie als eine der schönsten Markthallen Deutschlands: rund vierzig Feinkoststände mit Oliven, Käse, Gewürzen und Schwäbischem, dazwischen ein Balkonrestaurant mit Blick auf das Gewusel. Komm hungrig – und schau nach oben, das Glasdach ist der heimliche Star.
- Hans-im-Glück-Brunnen – Auf dem kleinen Platz an der Geißstraße steht seit 1909 der Märchen-Hans mit seinem Schwein, geschaffen von Josef Zeitler als Schlussstein einer Altstadtsanierung – sechs kleine Enten speien das Wasser, und Modell für den Hans stand angeblich ein Bauernbursche von den Fildern. Rund um den Brunnen drängt sich heute die dichteste Bar-Nachbarschaft der Innenstadt. Gleich dahinter beginnt das Leonhardsviertel, Stuttgarts kleines Rotlichtviertel im Wandel: Zwischen die alten Etablissements ziehen Weinstuben und Bars – tagsüber ist es hier ruhig, nachts bleibst du einfach im Trubel der Hauptgassen.
- Karlshöhe – Zum Abschluss verdienst du dir den Kesselblick: Die Karlshöhe ist ein grüner Hügel mitten in der Stadt, im 19. Jahrhundert vom Verschönerungsverein um einen alten Steinbruch herum angelegt. Oben sitzt du im Biergarten unter Bäumen, vor dir kippt der Blick über Weinreben hinunter auf die Dächer des Talkessels. Wer die Stuttgarter Spezialität mitnehmen will: Direkt an der Karlshöhe führt die Willy-Reichert-Staffel mit über 400 Stufen hinab – die längste der Stäffele, jener Treppenwege, die einst die Weinberge erschlossen. Bergab fühlen sich alle 400 gleich viel besser an.
Mercedes, Wilhelma & Fernsehturm
Der Tag der Stuttgarter Ikonen, verbunden per Bahn: erst das Mercedes-Benz Museum, wo sich 140 Jahre Automobilgeschichte eine Doppelhelix hinabschrauben. Dann in die Wilhelma, den zoologisch-botanischen Garten in der maurischen Schlossanlage von König Wilhelm I. Zum Finale hinauf nach Degerloch auf den Fernsehturm von 1956 – den ersten der Welt und Vorbild aller, die danach kamen.
- Mercedes-Benz Museum – Hier, wo 1886 die Motorkutsche laufen lernte, steht das vielleicht eleganteste Automuseum der Welt: Der Bau von UNStudio aus dem Jahr 2006 windet sich als Doppelhelix in die Höhe – du fährst mit dem Aufzug ganz nach oben und läufst 140 Jahre Automobilgeschichte spiralförmig hinunter, vorbei an 160 Fahrzeugen vom Patent-Motorwagen bis zum Silberpfeil. Der Audioguide ist im Eintritt enthalten und passt sich deinem Standort an. Auch wer mit Autos nichts anfangen kann, bleibt wegen der Architektur – und der Zeitgeschichte, die an jeder Rampe mitläuft. Plane großzügig, unter zweieinhalb Stunden kommt kaum jemand raus. Und wer danach noch nicht genug hat: Auf der anderen Seite der Stadt erzählt das Porsche-Museum in Zuffenhausen die zweite Weltmarken-Geschichte – zwei Automobilmuseen dieses Kalibers dürfte sonst kaum eine Stadt haben.
- Wilhelma – Die Wilhelma ist ein Zoo im Königsgewand: Ab 1842 ließ sich Wilhelm I. hier eine maurische Schlossanlage mit Kuppeln, Arkaden und Seerosenbecken bauen – „Alhambra am Neckar“ spottete man damals. Tiere zogen erst nach dem Zweiten Weltkrieg ein, die prunkvollen Bauten sind also älter als der Zoo selbst. Heute leben hier rund 1.200 Tierarten zwischen 8.500 Pflanzenarten, das macht die Wilhelma zu einem der artenreichsten Zoos Europas – und zum einzigen großen zoologisch-botanischen Garten Deutschlands. Ehrlicher Hinweis: Das Gelände ist groß; wer unter zwei Stunden hat, streicht die Wilhelma und fährt direkt zum Fernsehturm.
- Fernsehturm – Jeder Fernsehturm der Welt hat hier seinen Urahnen: Als der Bauingenieur Fritz Leonhardt statt eines hässlichen Stahlgittermasts einen schlanken Stahlbetonturm mit Aussichtskorb vorschlug, war das 1956 eine Weltneuheit – seither wurde die Degerlocher Silhouette rund um den Globus kopiert. Gut 216 Meter misst der Turm, der Korb mit Plattform und Panoramacafé sitzt auf 150 Metern, über dem Wald mit Blick auf Talkessel, Weinberge, Schwäbische Alb und Schwarzwald. Ehrlicher Hinweis: Der Besuch ist kurz für den Eintritt, und bei Nebel lohnt er nicht – dafür gehört die Aussicht bei klarem Wetter zu den besten des Südens.
Vor Ort: Anreise & Fortbewegung
Stuttgart fährt mit dem VVS: S-Bahnen bündeln sich in der Stammstrecke unter der Innenstadt, dazu ein dichtes Stadtbahnnetz – die U-Linien fahren oberirdisch und im Tunnel. Tickets kaufst du per App oder am Automaten, eine Zone reicht für alles auf diesen Routen. Vom Flughafen bringt dich die S-Bahn in rund 30 Minuten zum Hauptbahnhof. Zu Fuß gilt: Die Innenstadt ist eben, aber sobald es an die Hänge geht, übernehmen die Stäffele – über 400 Treppenwege, Erbe des Weinbaus. Gute Schuhe zahlen sich aus.
Ausgehen & Nachtleben
Rooftop-Bars
- Sky Beach – Strandbar auf dem obersten Parkdeck des Kaufhaus-Parkhauses an der Königstraße, seit 2004: Sand unter den Füßen, Liegestühle, Palmen und der Blick über die Dächer bis an die Kesselhänge. Bestellt wird an der Theke, aufs Glas gibt es Pfand.
Ausgehviertel
- Hans-im-Glück-Viertel – Rund um den Märchenbrunnen an der Geißstraße liegen die Bars am dichtesten. Ehrlicher Hinweis: Das Viertel grenzt ans Leonhardsviertel, Stuttgarts kleines Rotlichtquartier im Wandel – tagsüber harmlos, nachts bleibst du einfach in den belebten Gassen.
- Theodor-Heuss-Straße – Stuttgarts Partymeile schlechthin: Entlang der „Theo“ reihen sich Clubs und Bars wie Schräglage und 7grad, getanzt wird bis in den Morgen, oft ohne Eintritt. Jung, laut, unkompliziert – der Gegenpol zu den Weinstuben.
Essen & Restaurants
- Weinstube Fröhlich – Seit 1963 eine Institution der Altstadt: schwäbische Küche – Maultaschen, Zwiebelrostbraten – und Weine der Region, mitten im Leonhardsviertel. Die Karte wechselt alle paar Tage, drinnen ist es holzvertäfelt und gemütlich. Reservieren, es ist fast immer voll.
Bars & Clubs
- Paul & George – Cocktailbar in der Weberstraße zwischen Bohnen- und Leonhardsviertel, benannt nach den Architekten des Hauses: gedimmtes Licht, präzise Drinks, kleines Barfood. Am Wochenende schnell voll – früh kommen oder warten.
Bühne & Konzerte
- Staatstheater / Oper Stuttgart – Im Littmann-Bau von 1912 am Schlossgarten spielen Oper und das Stuttgarter Ballett, das seit John Cranko Weltruf genießt. Die Preise sind fair, Ballettabende oft Monate im Voraus weg – früh buchen. Für die großen Musical-Produktionen ist dagegen das SI-Centrum im Süden der Stadt zuständig, mit gleich zwei Musicaltheatern.
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